KIS 7
Kunst Initiative sieben
Sieben Frauen ergreifen die Initiative und nehmen die Chance wahr,
künstlerische Projekte in Gang zu bringen.
Bei regelmäßigen Treffen werden Bilder, Bücher und Kurse angesprochen, die Arbeiten
kritisch betrachtet, Ideen gesponnen und vieles mehr.
Gemeinsam werden auch Ausstellungen besucht, um neue Akzente zu setzen.
Jede dieser Kunstschaffenden blickt auf einen langen und fundierten Entwicklungsprozess
zurück, wodurch sich ein interessanter und kritischer Erfahrungsaustausch ergibt.
Sieben Frauen mit unterschiedlichen Temperamenten, Ideen und Arbeitstechniken bieten
ein vielfältiges Kaleidoskop an künstlerischen Möglichkeiten.
Für den Ausstellungsbesucher ergibt sich, durch die unterschiedlichen Stilrichtungen
ein breites Spektrum.
LILO SCHMIDT
KARIN STROBEL
KARIN PODZIMEK
ELKE WIDENMANN
ROSEMARIE ROLLER
ROSWITHA WALENCZYK
GUDRUN DÖRFLER-WIßKIRCHEN
Roswitha Walenczyk Farblandschaften - Markus Golser, Stuttgart, Kunsthistoriker
Ausgangspunkt für Roswitha Walenczyks abstrakte Bildwelten ist eine durch eigene
Fotografien dokumentierte Realwelt. Diese sieht sich jedoch einem experimentellen
Bildfindungs- und Malprozess ausgesetzt, an dessen Ende informell konturierte,
ineinander gleitende Farbflächen von schwebender Leichtigkeit stehen.
Während
die Form des ikonografischen Ausgangsmaterials nach und nach verändert oder
aufgelöst wird, wird die Farbe – als eigentliches Bildthema – beibehalten.
Sie wahrt stets das Primat über die Form. Als ein im Wortsinne roter Faden
ziehen sich warme Töne leitmotivisch durch das homogene Œuvre. Dabei erfolgt
die fein nuancierte Farbmischung meist nicht auf der Palette, sondern erst auf dem Bildträger.
Dort entsteht das Bild nach und nach aus sich selbst heraus:
Farben bekämpfen und
vertragen sich, geraten in reißende Strudel oder lassen sich durch lineare Grenzen
gerade noch an einer Eroberung des gesamten Bildträgers hindern. Die Beendigung
dieses offenen Malprozesses wird zur zentralen künstlerischen Entscheidung.
„Und sie sah, dass es gut war” möchte man in Abwandlung des alttestamentlichen
Genesis-Textes den Abschluss eines Schöpfungsaktes bezeichnen, der dynamische
Kompositionen von intensiver Leuchtkraft hervorbringt.
Die Linien ordnen sich den Flächen unter, deren weiche, bisweilen neblig oder
wässrig aufgelöste Konturierung an die protoimpressionistischen Bilder des englischen
Realisten William Turner erinnert.
Die häufig geografischen Ausgangsmotive bleiben nicht nur in den Bildtiteln präsent.
Vielmehr verleihen Beimischungen von Sand, Asche, Glasstaub oder Sägemehl den Bildern
eine höchst differenzierte, haptisch erfahrbare Oberflächenstruktur von teilweise
fossiler Wirkung.
Assoziationen von wasserüberspültem Sand, ausgetrockneten Flussbetten,
flirrender Hitze, lodernden Flammen oder fließender Lava stellen sich ein.
Natur wird erlebbar ohne abgebildet zu werden.
Die Formen kommunizieren auch mit dem jeweiligen Format. Bildträger
von unterschiedlicher Dimension und z. T. außergewöhnlicher
Form unterstützen den experimentellen Werkprozess.
So werden
die Kompositionen teilweise auf mehrere Leinwände verteilt und / oder
zu geschlossenen Werkserien vereinigt. Die Bilder erobern die Fläche und
diese bisweilen – in bewusster Präsentation – den Galerieraum.
Roswitha Walenczyks Farblandschaften werden so dem Betrachter auch physisch zugänglich.
mgo | 04.03.2011